

FAQ
Was ist Psychotherapie?
Psychotherapie ist eine wissenschaftlich fundierte Behandlungsmethode für psychische Beschwerden und Erkrankungen – und gleichzeitig viel mehr als das. Es ist ein Prozess, in dem Sie lernen, sich selbst besser zu verstehen: Warum Sie reagieren wie Sie reagieren, warum bestimmte Muster sich immer wiederholen, und was Sie brauchen, um das zu verändern.
In einer Psychotherapie arbeiten wir gemeinsam – strukturiert, aber individuell auf Sie zugeschnitten. Ziel ist nicht, aus Ihnen einen anderen Menschen zu machen. Ziel ist, dass Sie wieder mehr Zugang zu sich selbst finden und das Leben führen können, das Sie sich wünschen.
Psychotherapie ist kein Gespräch unter Freunden und keine Beratung – sie folgt klaren wissenschaftlichen Methoden mit nachgewiesener Wirksamkeit. Und sie braucht Zeit. Veränderung passiert nicht von heute auf morgen, aber sie passiert.
Welche unterschiedlichen Formen der Psychotherapie gibt es?
Die abrechnungsfähigen Verfahren sind die Verhaltenstherapie, die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Psychoanalyse und die systemische Therapie.
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass zu Leid führende Gedanken, Gefühle und hinderliche Verhaltensweisen aus der individuellen Lerngeschichte entstanden sind. In der Verhaltenstherapie ist daher das Ziel, diese Prozesse sichtbar zu machen, zu verstehen und durch das Erlernen von neuen, hilfreichen Strategien eine Symptomreduktion zu erzielen. Es ist ein Verfahren, welches sich als „Hilfe zur Selbsthilfe“
versteht. Vor der Würdigung der eigenen Geschichte ist der Fokus der Behandlung immer das „Hier und Jetzt“.
In der Psychoanalyse geht man davon aus, dass frühkindliche Prägungen und Erfahrungen in den entwicklungsbedeutsamen Jahren bestimmen, wie man mit Herausforderungen umgeht und wie man die Welt um sich herum wahrnimmt. Die psychoanalytischen Verfahren unterscheiden dabei Störungen auf den Ebenen der Persönlichkeitsstruktur (wichtige Entwicklungsschritte wurden nicht gemacht), innerer Konflikt (widerstreitende Bedürfnisse führen zu Symptomen) oder eine Entwicklung nach traumatischen Ereignissen. Eine psychoanalytische Behandlung hat eine deutlich höhere Behandlungsfrequenz (3-5 mal pro Woche) als die Verhaltenstherapie.
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie baut auf denselben Annahmen auf, wie die Psychoanalyse, richtet den Fokus dabei jedoch mehr auf aktuelle Konflikte und Probleme. Diese werden ebenfalls „in der Tiefe“ behandelt.
Die systemische Therapie ist 2018 in den Katalog der abrechnungsfähigen Therapieverfahren aufgenommen worden. Hier liegt der Schwerpunkt auf dem sozialen Kontext psychischer Störungen, insbesondere auf Interaktionen zwischen z.B. Familienmitgliedern. Das bedeutet, dass die Behandlung des „sozialen Raums“ im Vordergrund steht und die Mitglieder des Systems in die Behandlung mit einbezogen werden.
Gerne überprüfe ich mit Ihnen gemeinsam, welches Therapieverfahren sich für Sie am besten eignet. Dies richtet sich neben der persönlichen Präferenz auch nach Faktoren wie der Schwere der Erkrankung, der erlebten Einschränkungen im Alltag u.Ä.
Was ist Schematherapie?
Die Schematherapie wurde entwickelt, um Menschen zu helfen, die merken dass bestimmte Muster in ihrem Leben immer wieder auftauchen – in Beziehungen, in der Arbeit, im Umgang mit sich selbst. Muster, die oft schon lange da sind, lange bevor man sie benennen konnte.
Schemata sind tiefe Überzeugungen über uns selbst und die Welt, die wir meist in der Kindheit entwickeln – als Reaktion auf das, was wir erlebt haben. Zum Beispiel: "Ich bin nicht gut genug." Oder: "Ich muss funktionieren, damit ich geliebt werde." Sie entstehen als Schutz – und bleiben dann oft weit über die Kindheit hinaus aktiv, auch wenn sie längst nicht mehr hilfreich sind.
Modi beschreiben die verschiedenen inneren Zustände, in denen wir uns befinden können – zum Beispiel das verletzliche Kind, das sich klein und hilflos fühlt; den inneren Kritiker, der ständig bewertet und antreibt; oder den gesunden Erwachsenen, der fürsorglich und klar entscheiden kann. In der Therapie lernen Sie, diese Zustände zu erkennen, zu verstehen – und gezielt zu verändern.
Typische Techniken in der Schematherapie:
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Imaginationsübungen – um alte Erfahrungen emotional neu zu erleben und zu verarbeiten
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Stuhldialoge – um in den Dialog zwischen verschiedenen inneren Anteilen zu gehen
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Kognitive Arbeit – um hinderliche Überzeugungen zu hinterfragen
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Beziehungsarbeit – die therapeutische Beziehung selbst als heilsame Erfahrung nutzen
Die Schematherapie ist besonders wirksam bei lang anhaltenden Schwierigkeiten, Persönlichkeitsstörungen, komplexen Traumafolgen – und bei allem, wo das Gefühl vorherrscht: "Ich weiß, was ich ändern müsste – aber ich komme einfach nicht raus aus diesem Muster."
Was ist EMDR?
EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing – ein spezielles Therapieverfahren zur Behandlung von Traumata und belastenden Erfahrungen.
Die Grundidee: Manchmal werden schlimme Erlebnisse nicht richtig verarbeitet und bleiben im Gedächtnis "stecken" – mit allen ursprünglichen Bildern, Gefühlen und Körperempfindungen. Wenn etwas an diese Erlebnisse erinnert, können sie sich anfühlen als wären sie gerade erst passiert.
EMDR hilft dem Gehirn, diese steckengebliebenen Erinnerungen nachzuverarbeiten. Das geschieht durch bilaterale Stimulation – meist durch Augenbewegungen, die einer ganz bestimmten Bewegung folgen – während Sie gleichzeitig an das belastende Erlebnis denken. Diese Kombination aktiviert die natürliche Verarbeitungskapazität des Gehirns auf eine Weise, die allein durch Gespräche oft nicht erreichbar ist.
EMDR klingt ungewöhnlich – und das ist es auch. Aber die Wirksamkeit ist gut belegt: Es ist von der WHO als evidenzbasierte Traumatherapie anerkannt und wird bei Posttraumatischen Belastungsstörungen, aber auch bei anderen belastenden Erfahrungen eingesetzt.
Was ist der Unterschied zwischen Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen und Psychiater:innen?
Psycholog:innen haben einen universitären Abschluss in Psychologie (Master oder Diplom). Mit einem Abschluss in Psychologie können die Personen in den unterschiedlichsten Berufsfeldern arbeiten, z.B auch in der Werbepsychologie, in der Wirtschaftspsychologie o.Ä.
Psychotherapeut:innen haben nach Ihrem Abschluss eine umfangreiche, mehrjährige Weiterbildung in Psychotherapie absolviert und durch die Approbation die Berechtigung Patienten behandeln zu dürfen.
Psychiater:innen haben Medizin studiert und die Facharztausbildung mit dem Schwerpunkt in Psychiatrie abgelegt. Ärzt:innen dürfen Medikamente verschreiben, Psychotherapeut:innen können dies nicht.